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Wissenswertes
Trüffelsuche auf Lanzarote:
Das „papas crías” Fieber

von Horst Wilkens & Ulrike Strecker


Papas Crias, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung
Vergangene Saison lieferten einheimische Trüffelsammler riesige „papas crias“ im Rathaus von Teguise ab. Foto: Ayuntamiento de Teguise

Papas Crias Wüstentrüffel, Sandtrüffel, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung
Im "El Jable" oberhalb von Famara laufen derzeit die Trüffelsucher durch die aufblühende Ebene um Wüsten- oder Sandtrüffel zu suchen. Foto:Lanzarote37°/Strecker

Kanarischen Sonnenröschen (Helianthemum canariense), Papas Crias Wüstentrüffel, Sandtrüffel, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung
Der Sandtrüffel bildet mit dem Kanarischen Sonnenröschen (Helianthemum canariense) eine sogenannte Mykorrhiza. Eine Symbiose, bei der der Pilz Nährsalze und Wasser an die Pflanze liefert. Foto:Lanzarote37°/Strecker

Kanarischen Sonnenröschen (Helianthemum canariense), Papas Crias Wüstentrüffel, Sandtrüffel, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung
Das entscheidende Suchkriterium ist ein kleiner Riss in der sandigen Bodenoberfläche dicht neben der „madre de papas crías", also dem Sonnenröschen, der durch den in der Erde wachsenden Fruchtkörper erzeugt wird. Hat man ihn erspäht, kann man mit bloßen Fingern oder einem Hilfsgerät – meist wird ein einfacher Löffel verwendet – seine Beute ausgraben. Foto: Lanzarote37°/Strecker

Kanarischen Sonnenröschen (Helianthemum canariense), Papas Crias Wüstentrüffel, Sandtrüffel, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung
Glück gehabt. Es ist nämlich keineswegs so, dass sich unter jedem Riss...

Kanarischen Sonnenröschen (Helianthemum canariense), Papas Crias Wüstentrüffel, Sandtrüffel, Lanzarote37°, 37 Grad, deutsches Inselmagazin, Inselzeitung
...ein heranwachsender Sandtrüffel befindet. Foto:Lanzarote37°/Strecker


Manche finden riesige Wüstentrüffel, diese wandern dann mit der Kamera für die Ewigkeit festgehalten, bevor sie verzehrt werden, ins städtische Fotoarchiv in Teguise. Foto: Ayuntamiento Teguise


Wenn nach den winterlichen Regenfällen Menschen mit Tüten und Körben den El Jable bei Famara durchstreifen, dann sind sie auf der Suche nach den „papas crías“, den auf Lanzarote heimischen Wüsten- oder Sandtrüffeln, lateinisch Terfezia arenaria.

Um es gleich vorneweg zu sagen:

Terfezien sind keine echten Trüffel und kommen an deren Geschmack keinesfalls heran. Ihr unverkennbarer Pilzgeschmack macht sie bei Einheimischen dennoch begehrt und unseriösen Händlern dient der Pilz, der in Nordafrika häufig vorkommt, gerne zur missbräuchlichen Streckung von echten Trüffeln.

 

Die Regenzeit beginnt auf Lanzarote manchmal schon im November und gibt der Insel ein ganz besonderes Gepräge. Überall zeigt sich Blütenpracht. Besonders eindrucksvoll dann zu bewundern, wenn an Orten wie dem normalerweise wüstentrockenen El Jable bei Famara alles mit einem grünen Schleier überzogen oder sogar weithin großflächig durch den Lanzarote-Hornklee oder die Tanger-Reichardie mit gelben Matten belegt ist. Andere Regionen leuchten weiß durch die massenhafte Entwicklung der Hundskamille oder von Wucherblumen.

 

Genauso ungewöhnlich ist eine weitere Beobachtung: Ein plötzlich auftretendes sonderbares menschliches Verhalten in den sandigen Zonen des El Jable. Allerorts sieht man einzeln oder in Gruppen Einheimische in Kreiseln und Achten durch Lebensräume laufen, für die sie normalerweise nur einen müden Blick aus dem Auto übrig haben. Nach üppigen herbstlichen und winterlichen Regenfällen aber wird die Gegend mit zum Boden gerichteten Augen Meter für Meter hartnäckig abgelaufen. Hin und wieder bückt man sich, um ganz selten offenbar etwas aus dem Boden zu graben, das dann in einem von jedem charakteristischerweise mitgeführten Plastikbeutel verschwindet.

Der Sinn dieser untypischen Verhaltensweisen gibt einem zunächst Rätsel auf. Ließ sich aber durch Befragung rasch klären: Die Leute waren beim Pilzesuchen, den sogenannten „papas crías". Würde man sich in manchen Gegenden in Deutschland die Sichtschutz gewährenden Wälder wegdenken, ergäbe sich dem Außenstehenden im Herbst sicher ein ähnliches Verhaltensbild – vielleicht statt mit Plastikbeutel mit Korb und Messer bewaffnet. Allerdings stellt man sich die erstaunte Frage: Pilze auf dem trockenen steinigen Lanzarote und dann in derartiger Menge, dass viele Menschen über Wochen ihre Freude haben können? Ja! Es gibt sie!

 

Bereitwillig zeigten die Kundigen unter den Sammlern uns zunächst die „madre de papas crías", die „Mutter der jungen Kartoffeln", an die das Vorkommen der gesuchten Objekte gebunden ist. Sie ist eine unauffällige hübsch gelb blühende Pflanze, das Kanarische Sonnenröschen (Helianthemum canariense). Mit dieser Pflanze hat man jedoch nur den potentiellen Vorkommensort der Pilze ermittelt, keineswegs aber die Garantie, ihn auch zu finden. Der Pilz selbst beziehungsweise sein Fruchtkörper verbirgt sich nämlich im Boden und ist nicht an einem weithin leuchtenden Hut zu erkennen. Das entscheidende Suchkriterium ist ein kleiner Riss in der sandigen Bodenoberfläche dicht neben der „madre de papas crías", der durch den in der Erde wachsenden Fruchtkörper erzeugt wird. Hat man ihn erspäht, kann man mit bloßen Fingern oder einem Hilfsgerät – meist wird ein einfacher Löffel verwendet – seine Beute ausgraben. Die Fruchtkörper sehen tatsächlich wie kleine Kartoffeln aus. Normalerweise hat der Pilz einen Durchmesser von zwei bis drei Zentimetern, manchmal gehen aber auch Meldungen von Exemplaren von der Größe von Männerfäusten mit einem Gewicht von sagenhaften 200 Gramm durch die lokale Presse.

 

Der wissenschaftliche Name der Papas crías ist Terfezia arenaria aus der Familie der Mittelmeertrüffel. Deutsch wird er Sand- oder auch Wüstentrüffel genannt. Er kommt auf den Kanaren auch auf La Graciosa und Fuerteventura und außerdem in Nordafrika vor. Er gehört, wie die uns bekannteren wertvollen Speisetrüffel, systematisch zu den Schlauchpilzen. Wie diese bildet er mit einer Pflanze, in diesem Falle dem Kanarischen Sonnenröschen, eine sogenannte Mykorrhiza. Hierbei handelt es sich um eine Symbiose, bei der der Pilz Nährsalze und Wasser an die Pflanze liefert. Diese nimmt er mit Hilfe seines ausgedehnten und weit verzweigten Zellgeflechts, dem sogenannten Myzel, aus dem Boden auf. Die Pflanze „spart" also gewissermaßen ein großes eigenes Wurzelsystem. Dafür bietet sie dem Pilz aus ihrer Photosynthese stammende Kohlenhydrate, die der Pilz selbst nicht zu bilden vermag, weil er kein Chlorophyll besitzt. Der Stoffaustausch erfolgt an den Wurzeln der Pflanze, um die herum Teile des Myzels mit den Pflanzenwurzeln die Mykorrhiza bilden.

 

Während des normalen Jahresverlaufes besteht der Sandtrüffel nur aus dem Myzel, das sich komplett im Boden befindet und hier wächst. Erst nach außergewöhnlichen Regenfällen bildet der Pilz auch seine knolligen, Speisetrüffeln ähnlichen, Fruchtkörper. Eigentlich dient dieser Fruchtkörper der Vermehrung, indem die in ihm gebildeten Sporen durch Fraß oder Tritt von Tieren freigesetzt werden, da die Fruchtkörper im Boden verborgen sind.

 

Die Sandtrüffel sind ein beliebtes Objekt der lanzarotenischen Küche. Allerdings besitzen sie nicht ganz den Geschmack und den finanziellen Wert der bei französischen Gourmets so beliebten Speisetrüffel.

 

Vor der Zubereitung müssen die papas crías gründlich vom Sand gesäubert werden. Hierfür werden kleine Schwämmchen oder Backpinsel empfohlen. Man sollte sie auf keinen Fall schälen, sondern nur bei Bedarf ein wenig klein schneiden und in gutem Olivenöl anbraten. Verfeinern kann man das Ganze durch eine Zugabe von „gambas" oder herzhaftem Schinken. Je nach Geschmack können auch gequirlte Eier untergehoben werden. Auf keinen Fall dürfen jedoch Knoblauchzehen fehlen, um den landestypischen Geschmack zu erhalten.

Die Autoren, Ulrike Strecker und Horst Wilkens sind Biologen der Universität Hamburg. Während zahlreicher Aufenthalte auf Lanzarote haben sie sich ein großes Wissen über die hiesige, ganz spezielle Tier- und Pflanzenwelt angeeignet. Vieles davon geben sie in ihrem neuen Bildband „Lanzarote – Leben auf Lava" wieder. Dieses Fotobuch zeigt die eindrucksvollsten Landschaften Lanzarotes, sowie die hier lebenden Tiere und Pflanzen in professionellem Layout mit hohem künstlerischem Anspruch. Es zeigt den Kontrast zwischen der kargen Umwelt dieser Insel und den daran angepassten Lebensformen. Detailreiche Fotos zeigen häufige und seltene Tiere, wie zum Beispiel Wiedehopf und Kragentrappe, bunte Schmetterlinge und Heuschrecken. Lanzarote entpuppt sich als ein Ort mit überwältigender Blütenpracht. Zum ersten Mal werden Fotos von der blinden und bleichen Tierwelt eines der größten Lavatunnels der Welt, dem unterirdischen Túnel de la Atlántida in den Jameos del Agua gezeigt.

Ein weiteres Buch von Prof. Dr. Horst Wilkens trägt den Titel „Lanzarote – blinde Krebse, Wiedehopfe und Vulkane" und ist in der zweiten redigierten Auflage erhältlich.

Die Bücher sind in folgenden Läden zu kaufen: Fundación César Manrique*, Montañas del Fuego*, Jameos del Agua*, Jardín de Cactus*, Mirador del Río*, Casa Monumento al Campesino. Außerdem sind diese Bücher bei ArcaCanar (Costa Teguise bei der Post), in der Librería El Puente (Arrecife), im Pardelas Park (Órzola), dem Shop Aha (Teguise), im Anthroposophisches Zentrum (Puerto del Carmen) sowie der Clínica Dr. Kunze in Arrieta erhältlich. Mehr Informationen und Bestellung auch unter www.naturalanza.com

(Bei den mit * markierten Souvenirshops in den Touristenzentren muss Eintritt gezahlt werden.)



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